Spieglein Spieglein an der Wand – kein Märchen, sondern ein Bericht zum 6. Karlsruher Coaching LAB

Spiegeln ist eine der Grundtechniken im Coaching und findet sich generell – wenn auch oft unbewusst – in jeglichen Gesprächssituationen wieder. Man könnte auch sagen: Jeder Mensch ist immer auch ein Spiegel für die Mitmenschen um ihn herum.

Das Grundprinzip des Spiegelns ist dabei ganz einfach (technisch gesehen, nicht in der Anwendung):
Der Zuhörer spiegelt das Gesagte des Gegenübers wertungsfrei mittels paraphrasieren. Zum einen vergewissert sich der Zuhörer auf diese Weise, ob er das Gesagte richtig verstanden hat, zum anderen erhält der Erzählende einen gespiegelten Blick auf seine Geschichte und kann daraus neue Erkenntnis gewinnen. Aber nicht nur Worte können gespiegelt werden, sondern auch non-verbale Aspekte beispielsweise positive oder negative Gesichtsausdrücke; mit einem Effekt in beide Richtungen, wie das „ansteckende Lachen“ zeigt.

Ein spannendes Thema also, das wir uns im Februar 2019 für das 6. Karlsruher Coaching LAB vorgenommen hatten. Und ein durchaus facettenreiches: Zu Beginn in der Vorstellungsrunde tauschten wir uns aus, wie oft wir am Tag eigentlich in den Spiegel schauen. Heraus kamen ganz individuelle Antworten und Rituale oder bei manchen auch die Erkenntnis, dass man das anscheinend gar nicht so bewusst macht, aber wohl doch häufiger tut, als man denkt. Ein interessantes Gedankenspiel ist auch: Was wäre wenn wir eine Woche ohne einen Spiegel oder eine spiegelnde Oberfläche auskommen müssten. Was würde sich verändern?

Nach dem gemeinsamen Start ging es in drei unterschiedlichen Sessions rund um das Thema „Spiegeln“ weiter.
In Christas Session mit dem klangvollen Namen „Eulenspiegel in a fishbowl“ konnten die Teilnehmer das Spiegeln sowohl in der Rolle des Spiegelnden als auch des Gespiegelten in kleinen Übungen ausprobieren. Die Fishbowl stellte dabei eine Beobachtergruppe dar, die das Gespräch mitverfolgt ohne einzugreifen, um hinterher Feedback geben zu können.

Auch bei Christians Session gab es ein „Kaleidoskop“ an Spiegel-Übungen, durch welche die Teilnehmer selbst erleben konnten, welchen Effekt es beispielsweise hat, wenn konsequent jede Gestik oder Mimik des Gegenüber gespiegelt wird. Am Ende nutzten sie noch einen besonderen Spiegel in der ZKM Open Codes Ausstellung. Das Kunstwerk rechnet das eigene Kamerabild in eine künstlerische Landschaft um und spiegelt wie man es so auch noch nicht gesehen hat.

In Annas Session konnten die Teilnehmer die Methode „Reflecting Team“ ausprobieren, die eigentlich aus dem Bereich der Kinder- und Familientherapie stammt. Das Besondere an der Methode: Neben einem Interviewteam, dass sich über das Anliegen oder Erlebte austauscht gibt es ein Beobachter-Team welches über das berichtet was es zuvor gehört hat – in Anwesenheit aller, aber ohne dass sich die Gruppen gegenseitig ins Wort fallen, korrigieren, rechtfertigen. Als Kontrastprogramm dazu spielte die Gruppe zuvor ein ungewöhnliches Gesellschaftsspiel, bei dem es darum geht sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen und permanent vor dem Großmeister zu rechtfertigen. Im Reflecting Team wurden diese Erfahrungen dann besprochen und führten zu so mancher (Selbst-)erkenntnis.

Was für ein Abend! Da kann man mit gutem Gewissen am nächsten Morgen in den Spiegel schauen ;-).

Wenn Euch gefällt was wir hier machen:
Wir freuen uns über Weiterempfehlungen und suchen zur Zeit Pilot-Unternehmen, die gerne mal mit uns eine interne Coaching LAB Veranstaltung durchführen möchten.

Euer Karlsruher Coaching LAB
Christa, Anna & Christian

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